Von Angelika Dohmen

Nach 10-jähriger Mentor-Tätigkeit bin ich immer wieder überrascht, wie wertvoll es für die Kinder ist, wenn sich jemand bemüht, ihnen zu helfen. Eines meiner Lesekinder hatte am Anfang große Schwierigkeiten mit den Worten und Sätzen. Nach mittlerweile drei Jahren Betreuung hat das Mädchen sich enorm verbessert, liest mit Begeisterung, ist selbstbewusst geworden und hat deutlich bessere Noten, wie mir die Lehrerin gesagt hat. 

Aufgrund einer Erkrankung meines Mannes musste ich vorübergehend meine Lesebetreuung einstellen und habe das meinen Lesekindern erklärt. Sie waren sehr traurig darüber und haben sich zwischenzeitlich nach dem Befinden meines Mannes erkundigt und ihm gute Genesung gewünscht.

Sehr gefreut habe ich mich, als ich nach der Notenvergabe von einem Lesekind eine WhatsApp mit einem Sticker erhielt (siehe Bild). Ich habe mich so sehr darüber gefreut, dass ich ein paar Tränen vergossen habe.

Diese Nachricht hat mich in meiner aktuellen Situation aufgebaut, mir Mut gemacht und gezeigt, wie wichtig es ist, den Kindern zu helfen, ihnen einen guten Einstieg in die Zukunft zu ermöglichen und wie viel Liebe man dafür zurückbekommt. 

Lesen ist sooooo wichtig!

Probeweise habe ich auch mit einem Kind online gelesen…es hat einigermaßen geklappt, aber es ersetzt nicht das betreute Lesen.

Es macht mir weiterhin Freude und ich hoffe, ich kann noch lange mit „meinen Kindern“ lesen.

Von Waltraud Stelzer

Ich bin 74 Jahre alt, ehemalige Bibliothekarin, jetzt Rentnerin und seit 2015 Mentorin an der Marienschule in Heinsberg-Dremmen für jeweils zwei Schülerinnen bzw. Schüler. Ich mache diese Tätigkeit sehr gern, auch wenn es manchmal schwierig ist, die Lesekinder zu motivieren; aber mit Geduld, Loben, Humor und als Belohnung Spielen (am liebsten Memory, weil ich da immer verliere!) ließen sich bisher immer Fortschritte und sogar Erfolge erreichen. 

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich besonders an eine junge Albanerin, die in kurzer Zeit Deutsch gelernt hatte und schon bald einen größeren Wortschatz besaß als manch hier geborenes Kind. Beim Wechsel auf die Gesamtschule bat sie darum, mich doch weiter um sie zu kümmern. Obgleich ich der Meinung war, dass sie keiner Leseförderung mehr bedurfte, habe ich sie – nach Rücksprache mit der zuständigen Lehrkraft an der neuen Schule – noch einige Male betreut. Nach wenigen Wochen kam sie etwas verlegen zur Lesestunde: „Ich muss dir was sagen, aber du darfst nicht traurig oder böse sein… Ich brauche dich wirklich nicht mehr.“ Damit hatten wir beide unser Ziel erreicht!

Von Evelin Gabel

Ich habe mein erstes Schuljahr als Lesepatin an der Astrid-Lindgren-Schule in Erkelenz abgeschlossen. Es hat mir viel Spaß gemacht mit den beiden Kindern. Das Mädchen war anfangs nicht so motiviert, das hat sich aber im Laufe der Zeit geändert. Es liest inzwischen so gut, dass ich mit ihm nicht mehr weitermache. Der Klassenlehrer hat schon ein neues Mädchen für mich im neuen Schuljahr.

Der Junge ist ein liebenswerter netter Kerl. Er hat immer noch beträchtliche Schwierigkeiten beim Lesen, leichte Fortschritte nach einem Jahr gibt es aber schon. Auch ist er in dem Jahr etwas selbstbewusster geworden. Der Junge war oft krank und hat immer wieder Bauchschmerzen. Er hat viele Ängste, auch beim Schwimmen. Deshalb konnte er das Seepferdchen-Abzeichen zunächst nicht ablegen. Wir haben immer wieder Trockenübungen gemacht und ich habe ihm oft gesagt, dass er das schafft. Vor den Sommerferien hat er es dann tatsächlich geschafft und sich wahnsinnig gefreut.

Er muss das dritte Schuljahr wiederholen, obwohl er schon ein Jahr älter ist als seine Klassenkameraden. Außerdem muss er die Grundschule wechseln. Ich musste ihm versprechen, dass wir im neuen Schuljahr mit dem Lesen weitermachen. Das habe ich auch versprochen – mit dem Hinweis, dass mir viel an ihm liegt. Ich hoffe, dass wir das an der neuen Grundschule hinkriegen.

Mein Lesekind ist ein aufgeweckter Junge aus der 3. Klasse, der skeptisch und zurückhaltend zu mir in die Schulbücherei kam. In der Kennenlern-Phase stelle ich den Kindern gern ein paar Fragen, um das Eis zu brechen und eine Beziehung aufzubauen. Außerdem erfahre ich bei Fragen nach Lieblingsfarbe, -Essen, -Tier, -Spiel etc. schnell, wofür das Kind sich begeistern kann. 

Bei ihm war die Frage nach dem Lieblingstier für uns wegweisend. Er „liiiiiieeeebt Dinos“ und alles, was damit zu tun hat. Ich habe mit ihm monatelang etliche Dino-Bücher gewälzt und mir alles erklären lassen. Er war nämlich schon ein kleiner Experte und brannte jede Woche darauf, mit mir „Dino-Zeit“ zu verbringen. Es ging hier – zugegeben – nicht primär ums Lesen, sondern um meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Eine Aufmerksamkeit, die zu Hause im stressigen Alltag oft so nicht möglich ist, die die Kinder aber alle sehr genießen. Manchmal nutzen sie auch diese Zeit, um Ängste und Sorgen zu teilen. Das aktive Zuhören ist meines Erachtens unheimlich wichtig und ist in meiner Lesezeit fester Bestandteil. 

Lesen konnte er sowieso schon ganz gut. Wir haben festgestellt, dass seine Brille nur nicht die richtige Stärke hatte. Es war eine tolle Zeit für uns und falls Sie mal eine Expertin für Dinos brauchen – ich bin jetzt auch im Thema…

Von Dirk Bauer

Mein Lesekind an der Grundschule Myhl hatte aus meiner Sicht einen schlechten Tag und keine Lust mehr, sich an diesem Nachmittag noch irgendwie anzustrengen und diese ewig-langen, nicht-endenden Buchstabenzeichen in gesprochene Worte umzusetzen. Der Junge quengelte herum und ließ sich ständig ablenken. Auch eine kleine Spielzeit verbesserte seine Laune nicht. Schließlich fand er das Buch, das er bisher gern gelesen hatte, viel zu langweilig.

Ich sah ein, dass meine Motivationskünste am Ende waren und schlug ihm vor, in die Schulbibliothek zu gehen und ein anderes Buch auszusuchen. Gesagt, getan. Wir standen also vor den Regalen und begannen Bücher aufzuschlagen und durchzublättern. Ich fragte ihn, was ihn denn am meisten interessiere: Abenteuergeschichten, Piraten, Ritter, Tiere, Autos, drei Fragezeichen….aber es kam immer nur ein „hmm“. Plötzlich griff er ein überdimensioniertes Buch über das Leben der Saurier: „Ja, das gefällt mir.“ Ich staunte erst einmal, schaute über seine Schulter auf den Text und sagte: „Oh, das ist aber ein schwieriger Text und dann diese komplizierten, langgezogenen Sauriernamen …“. „Ist egal …. Da sind aber so schöne Bilder drin, die gefallen mir.“ Also schauten wir uns die Bilder an und redeten darüber. Das war für dieses Mal wohl das Richtige.

Beim nächsten Termin lasen wir ohne weiteres auf seinen Wunsch in dem vorherigen Buch weiter. Da nun wurde mir klar, dass ich als Erwachsener eine ganz andere Vorstellung von dem hatte, was für ein Kind zum Lesen interessant sein könnte. Ich dachte mehr in Kategorien und Oberbegriffen wie Art der Geschichte, Lieblingstiere, mehr Witz oder mehr Spannung oder Größe der Buchstaben. Nein, es war ganz einfach: Er wollte einfach nur ein Buch, in dem ihm die Bilder gut gefielen. Text und Story waren nicht so wichtig.

Wichtig ist aber die Freude und die Lust in der Beschäftigung mit Büchern. Das zeigte mir, dass ich mich als Erwachsener nicht so einfach in die Gefühlswelt eines Kindes hineindenken kann und bezüglich seiner Auswahlkriterien total daneben lag.

Von Edith Rademacher

Kurz nach den Herbstferien begann meine Tätigkeit als Mentorin an der GGS in Heinsberg-Randerath. Die Lehrerin der zweiten Grundschulklasse fragte einen Jungen, ob er gerne mit mir zum Lesen gehen wolle. Er bejahte. Im Leseraum stellten wir einander vor – Wohnort, Geschwister, Haustiere, Vorlieben etc. Danach spielten wir, ließen Kreisel drehen und konzentrierten uns bei einigen Runden Augenkim (Gedächtnistraining), erzählten und lachten. Im Anschluss bearbeitete er einige Aufgabenseiten in einem Silbenheft.

Nach einer halben Stunde meinte er unvermittelt: “Ich hatte eigentlich ein bisschen Angst vor dir.“ Ein wenig erschrocken fragte ich nach. Und er antwortete: “Ich hab´ gedacht, ich muss jetzt eine ganze Stunde mit dir lesen.“ Große Erleichterung auf beiden Seiten: bei ihm, weil er wider Erwarten nicht eine Dreiviertelstunde am Stück lesen musste, und bei mir, weil ich wohl doch nicht so streng und schrecklich bin…

Von Ursula Knorr

Heute hole ich mein neues Lesekind in seiner Klasse ab. Von der Lehrerin an der Grundschule Kückhoven habe ich erfahren, dass Leo nur unwillig liest. Im Lese-Raum frage ich ihn, ob er Lust hat, mit mir einen Fragebogen auszufüllen. „Ich möchte dich gern besser kennenlernen.“ Leo ist einverstanden. Es macht ihm Spaß, von sich und seiner Familie zu erzählen. Er schreibt auf, wann er geboren ist, was seine Lieblingsfarbe, sein Lieblingsfach, sein Lieblingstier, sein Lieblingsessen ist. Welche Musik er gerne hört.  Was ihn wütend macht und was er sich im Fernsehen am liebsten ansieht. Die Atmosphäre lockert sich schnell. Wir lachen viel. So hatte Leo sich die Stunde bestimmt nicht vorgestellt. Vorsichtig stelle ich dann die Frage: „Hast du Lust, mir ein wenig aus deinem Lesebuch vorzulesen?“

Unwillig blättert Leo in seinem Buch. Er sucht sich einen kleinen Text aus. Sein Lesen ist schleppend. Er legt viele Lesestopps ein, überlegt und erarbeitet sich jedes Wort. Seine Hände verkrallt er ineinander. Sein Mund öffnet und schließt sich krampfhaft. Leo arbeitet hart. Die Wörter sind abgehackt und wirken wie eine Computerstimme auf mich. Nach wenigen Sätzen dreht er mir seinen Rücken zu: „Ich will nicht mehr lesen“, trotzt er. Beruhigend spreche ich auf ihn ein und mache ihm Mut. Nach einiger Zeit dreht er sich wieder um und liest zwei weitere Sätze, schlägt dann aber genervt sein Buch zu. Den Rest der Stunde unterhalten wir uns über sein Lieblingsthema. Wir betrachteten die Dinosaurier in seinem Lieblingsbuch. Bei der Verabschiedung meint er: „Du brauchst nicht wieder kommen. Ich lese sowieso nicht.“

Aufgeben ist keine Option

Innerlich muss ich lachen. Das hatte noch kein Kind gewagt. Sein bockiges Verhalten löst in mir Gefühlswellen aus. Auf dem Weg nach Hause entwickele ich einen Plan. In der nächsten Stunde will ich Leo mit einem Laptop überraschen. Ein Film über Dinos würde ihm sicherlich gefallen. Vergnügt betrete ich eine Woche später mit Leo unseren Klassenraum. Leo beäugt mich gespannt. Kritisch musterte er den Laptop. Desinteressiert verfolgt er den kleinen Film. Ich bitte ihn, mir die Überschrift vorzulesen. Ungern gehorcht Leo. „Jetzt kannst du mir sicherlich auch noch den kleinen Absatz vorlesen?“ Doch das ist schon wieder zu viel. Widerwillig legt er seinen Kopf auf den Tisch. Durch gutes Zureden überliste ich ihn, eine kleine Passage zu lesen. Doch dann krabbelt er unter den Tisch, setzt sich wieder auf seinen Stuhl und zappelt darauf hin und her. Er liest etwas, was gar nicht im Text vorkommt. Leo zeigt mir seinen Unwillen sehr deutlich.

Ich bin mit meinem Latein am Ende. Wie soll ich weiter verfahren? Ich gehe traurig nach Hause. Soll ich mir das weiterhin antun? Ich denke, ich werde ein anderes Lesekind annehmen. Nein, sagt eine innere Stimme zu mir. Wirf nicht direkt die Flinte ins Korn. Gib ihm eine Chance.

Einfache Wörter statt langer Texte

Nach einigem Nachdenken kommt die Erleuchtung: Dieses Kind hat Angst vor Büchern. Lass Lesebücher weg. Das ist es. Bei unserer dritten Begegnung hole ich einen großen Zettel aus der Tasche. Kein Buch. „Leo, hast du Lust, diese Wörter zu lesen? Ich habe sie für dich aufgeschrieben.“ Prüfend schaut Leo das Blatt an. Er fängt an zu lesen. Der Druck vom Buch und von zu viel Text ist weg. Leo lobt sich zwischendurch selbst mit den Worten: „Ich kann richtig gut lesen.“ Mein Herz geht auf. Genau das braucht Leo, Selbstbestätigung. Es sind einfache Wörter und es ist ein Anfang. Ich bin genau so stolz wie Leo.

Ich ermuntere ihn mit einem Lesespiel. Ich lege drei große Zettel auf den Tisch. Garten-Haus-Küche. Kleinere Zettel mit den dazu gehörigen Wörtern soll Leo zuordnen, z.B. das Wort Erde zu Garten –  Nudeln zur Küche –  Tür zu Haus usw. Leo hat Spaß. Er liest und darf spielen. Zügig kommt er voran, kein Motzen, kein Trotzen. Auch das Memoryspiel erfreut ihn. Auf dem einen Kärtchen ist ein Bild , z.B. ein lachender Mund. Das zugehörige Kärtchen mit dem Wort Mund muss er lesen. So habe ich viele Beispiele für ihn gebastelt. Leo spielt und liest. Von einer Angst vor Wörtern ist nichts zu spüren. Meiner Bitte, aus einem kleinen Kinderbuch mit wenig Text, aber mit vielen Bilden zu lesen, ist Leo nachgekommen. Er hat Freude, sich die Bilder anzusehen. Den kleinen Text erkämpft er sich. Weit weg von Missmut und Lustlosigkeit. Ich bin so glücklich.

Fördern und fordern

Zum Schluss der Stunde gebe ich Leo ein Wimmelbuch. Die Aufgabenstellung muss er sich selbst erlesen. Leo liest. Die Freude ist ihm anzusehen. Als ich mich von ihm verabschiede, bemerke ich:  “Leo, wenn dir die Lesestunde zu anstrengend ist oder du sie nicht möchtest, musst du es mir sagen. Du machst das hier freiwillig. Wenn du anders entscheidest, dann komme ich nicht mehr und suche mir ein neues Lesekind.“ Erstaunt schaut Leo mich an. Er schluckt. Er bittet mich, doch bitte wieder zu kommen. Juhu, ich habe sein Herz erobert. Leo hat mir ein großes Geschenk bereitet.

Die Erkenntnis, erst einmal die Lesebücher wegzulassen, ist enorm. Der kleine Text in einem Bilderbuch ist für Leo genau das Richtige. Er kann Bilder schauen und lesen. Das Allerwichtigste ist: Es bereitet ihm Freude.

Bei unserem nächsten Treffen bitte ich Leo, die von mir geschriebene Geschichte „Ein Dino besucht die Schule“  von ca. zehn Sätzen zu lesen. In jeder Stunde werden wir diese Sätze zur Einstimmung immer zuerst lesen. Durch die ständige Wiederholung wird zusehends seine Aussprache besser. Lesebücher lasse ich nach wie vor weg. Die Atmosphäre ist gelockert.

Zur Belohnung gibt es einen Glitzerknopf

Bei einem anderen selbst ausgedachten Lesespiel soll Leo aus einzelnen Wörtern auf Zetteln einen Satz bilden. Ich lese den Satz vor, Leo stellt den Satz zusammen. Hinter jedem richtigen Satz darf Leo sich zur Belohnung einen Knopf legen. Ich halte ihm meine große Knopfdose hin. Mit Begeisterung wühlt er in der Knopfschatulle. So viele glänzende, glitzernde, mit kleinen Steinen bestückte Knöpfe befinden sich in der Dose. Euphorisch nimmt er sich die schönsten Knöpfe heraus. Die einfachen Hosenknöpfe interessieren ihn nicht. Schnell liegt hinter jedem Satz ein funkelnder Knopf. Die Trophäen bestätigen seinen Sieg. Leo will unbedingt einen Knopf mit nach Hause nehmen. Mit glänzenden Augen landet ein Knopf in seiner Hosentasche.

Die Knöpfe stoßen bei Leo auf sehr großes Interesse. Er ist in einer anderen Welt. Das Rascheln, Erforschen, Stöbern, Schauen der Knöpfe entkrampft ihn. Etwas Beruhigendes legt sich über sein Gesicht. Leo ist verzückt. Er läuft nun jedes Mal nach der Lesestunde mit einem Knopf in der Tasche zurück in seine Klasse. Manchmal verhandelt er sogar mit mir. „Wenn ich den Text lese, darf ich mir dann noch einen Knopf mitnehmen?“ Nur zu gern gehe ich auf den Deal ein. Seine Sammlerleidenschaft ist geweckt. Mittlerweile habe ich in meinem Bekanntenkreis nach Glitzerknöpfen gefragt. Ich bin dankbar für jeden Knopf, denn meine Knöpfe gehen langsam aus.

Ich frage Leo immer wieder, ob er Lust hätte, die Kurzgeschichte „Ein Dino geht zur Schule“ in seiner Klasse vorzulesen. „Das mache ich“, bestätigt Leo meine Frage. Doch beim nächsten Nachfragen wird er wieder unsicher. Dieser Prozess zieht sich ca. vier Wochen. In der vierten Woche gehe ich auf Risiko. „Leo, du stellst immer nur Forderungen und wenn ich eine Bitte habe, kommt von dir nichts. Ich werde die Knopfdose jetzt nicht mehr mitbringen. Ein anderes Lesekind soll sich darüber freuen.“ Erschrocken schaut Leo mich an. Das gefällt ihm gar nicht. „Ich mache es“, willigt er ein. Ich nehme die Chance wahr. „Prima, dann gehen wir jetzt zu deiner Lehrerin und überraschen sie mit unserem Plan.“ Mit der Lehrerin war schon alles besprochen. Mutig zieht Leo mit seinem Schreiben und mir zu seiner Klasse. Die Lehrerin tut überrascht. „Leo, das finde ich sensationell. Deine Mitschüler werden begeistert sein. Wenn du Lust hast, kannst du die Geschichte gleich vortragen.“ Leo nickt mutig. Er spaziert in seine Klasse. Ich gehe nach Hause. Mir ist mulmig zu Mute.

Der Durchbruch: „Die Kinder haben geklatscht“

Aber bei meinem nächsten Besuch in der Schule strahlt Leo mich an. „Ich hab’s gemacht“, ruft er. Mit stolzer Brust spazieren wir in unseren Klassenraum. „Die Lehrerin hat mich gelobt und die Kinder haben geklatscht“, verkündet Leo ehrfürchtig.

Leos Selbstbewusstsein ist gewachsen. Vor den Weihnachtsferien überreiche ich ihm eine kleine Schatztruhe. „Ich denke, deine Glitzerknöpfe sehen in der Schatztruhe noch wertvoller aus.“ Leo ist überglücklich. Gemeinsam bekleben wir die Truhe mit Glitzersteinen. Leo befüllt sie ehrfürchtig mit seinen gesammelten Knöpfen. Der Junge strahlt.

Wir werden in den kommenden Wochen noch weiter in den Bilderbüchern lesen. Das Lesen klappt schon viel besser. Das Wiederholen hilft und gibt ihm Sicherheit. In wenigen Wochen haben wir so schon viel erreicht. Auch seiner Lehrerin ist sein positives Verhalten im Unterricht aufgefallen. Leo konzentriere sich mehr und sei aufmerksamer geworden. Sie lobt mich: „Das hat er Ihnen zu verdanken.“

Bildergalerie

Weitere News